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Ein Zinfandel "mittleren Körpers" der Gallo Familie, 2006, Kalifornien.Ja, die dunklen Kirschen und frischen Heidelbeeren taten ihr gutes Werk und ja, er tummelt sich im Garten Bacchus´auf Augenhöhe mit dessen heiter-anmutigen Kindern... Doch rinnt ein Wermutstropfen den Flaschenhals hinunter, der ihn befremdlich entstellt wie die Träne das Clownsgesicht: es ist nicht das zum Ausgleich geneigte Kräftemessen der Süße mit seiner naturgemäßen Herbheit - sondern er ist langweilig! - langweilig bis zur Überflüssigkeit. Wie ein Vorsprechender auf dem Theater, der seine Sache gut macht, sehr ordentlich, dabei allerdings zu spät ist, das heißt man hat sich längst für den Idealtypus entschieden, ist durch diesen Fund seit Minuten visionierend verzückt und bringt dem letzten Monolog des Tages nur noch der Pflichttreue wegen eilfertige Aufmerksamkeit entgegen...Kurz: kann man trinken.
Sein oder nicht sein. Brody stellt die entscheidende Frage, als die Flaschen noch verschlossen, der Korken noch jungfräulich und die Zunge unbefleckt ist: "Trinkt ihr den oder kotzt ihr den aus?"Weder noch, für Aldi-Weine reicht der bloße Geruch. Der Korken jedenfalls scheint aus gebrauchten Tampons gepresst, das flüssige Etwas in der Flasche dem Abwasser einer Gummifabrik zu entstammen.
Aus Bordeaux. Chateau la Rode. Von 2004. Beim ersten Schluck stellt sich die Frage, was der Wein die letzten 5 Jahre gemacht hat. Als würde Bacchus den Rachen mit einem Schneebesen auskratzen. "Wo bleibt denn da der Geschmack?" - spricht Flex und nimmt einen Schluck Tuborg aus der Plastikflasche.
Aus dem Glas spricht Bitterkeit, man fühlt Fischschuppen auf der Zunge. Wässrich in der Mundhöhle, amöboid im Magen, pietätlos im Enddarm.
Die Reaktionen im Auditorium:
F: "Er ist kein Arschloch. Man kann ihn trinken."
Brody: "Er spricht nicht unsere Sprache."
F: "Ich stell schon mal die Biere hin."
Zum Abschluss darf ein weiteres unappetitliches Phänomen bestaunt werden: Weinstein.
Endstation: Spüle Harkortstieg.
Zu manchen Weinen gibt es eine Geschichte, während andere einem nur den Weg zu den Rostockern im Bieruversum verstellen.Dieser jedenfalls geschmacklich bitter, etwas trüb, unrund, als wäre eine Schachtel Reißzwecken mit in das Faß gestampft worden.
Aber Geschmack ist ja bekanntlich nur eine Modalität und ein erwähnenswerter Wein vermag alle Sinne zu berühren.
Unter der Theke hervorgekramt und zu einem abgestandenen China-Reis im Pariser "Palais Dragon Royal" eingekippt. In Gläser, in denen Seifenblasen Ballett tanzen und Spülwasser den Boden bedeckt. Alles unter den wachsamen Augen des an der Wand thronenden UNICEF-Botschafters Jackie Chan.
In der Ecke ein Franzose mit Schnauzbart, der zu der Sisyphos-Arbeit des Trinkens eines sich stets füllenden Whiskeyglases einen Stapel Zeitschriften durchblättert. Sein Hund jedenfalls stellt sich vor meinem Tisch mehrfach auf die Hinterbeine und klatscht in die Pfoten um so ein wenig Hühnerfleisch von meinem Teller zu erbetteln.
Man spült mit Litschisaft nach und bekommt zur Strafe eine blaue Schachtel vor die Nase gesetzt mit der Aufforderung: In 10 Minuten lösen. "Magic Triangle", ein Puzzle von erlesener Güte. Die Hinterteile und Oberkörper kleiner Tiger und Katzen wollen in der richtigen Reihenfolge zusammengebracht werden.
Nicht eine Weinflasche dauert die Geduld des Herrn Schan, dann begibt man sich in eine bequemere Position auf dem Hotelbett und schlürft den roten Rest aus Zahnputzbechern zu französischer Liebe und französischem Länderspiel.
Am Ende tauscht man jedoch gern einen Becher Wein gegen eine Mütze Schlaf.
Le Marquis. Aus L'Etang-Vergi, Cote d'Or. Von 06. Mild, unaufdringlich mit scheuer Süße. Den Klang der Trauben vernehmen, die Trauben sprechen lassen, Reben sind die Lippen der Hänge.
Der Name Bordeaux lässt aufhorchen. Erinnerungen nicht nur an das Weinregal im Supermarkt und den Kulturaustausch vor der Kühltruhe. Eine fruchtige Breite, die sich unaufhörlich über den Gaumen legt. Geschmacklich den Körpersäften sehr nahe, am besten zu genießen zu herbem Käse und nackten Frauenbeinen.
Ein 2000er aus Frankreich. Verwandelt ein Bahnabteil nicht gerade in einen großherrschaftlichen Salon, aber erzeugt Wohlwollen durch seine bekömmliche Allerwelts-Süße. Schüttet man ihn allerdings rein wie Mundwasser, breitet sich ein kräftig-herber Geschmack im Rachen aus, der die Fruchtigkeit gewaltsam unterjocht.Fazit: stille Weine sind tief.
Serge Morin. 2008. Halbtrocken. 1 Liter 3 Euro. "Aber das variiert auch von nightshop zu nightshop." Wohl bekömmlich. Gut auf der Zunge. Und im Magen. Versüßt das SPE-Tour-Video. Alle Vöglein fliegen hoch.

Nummer zwei in der Reihenfolge einer Berliner Weinsession in der Gaillard 21. Erstanden im Bieruversum, empfohlen von der Verkäuferin, die sich beim Blick auf unsere Weinauswahl zu der Aussage "Ich trink ja keinen Alkohol" verleiten ließ und nach unserem Verlassen des Geschäfts beim rückwärtigen Blick durch die Fensterscheiben mit Zigarette und Dosenbier auf der Netzhaut erschien. Bezahlt von Couchsurferin Anna aus Athen, die am frühen Morgen noch von vier Griechen durchgebumst wurde und sich entschuldigend erklärte: "Was in den Ferien passiert, zählt nicht." Allerdings war es ihr wichtig zu erwähnen, dass sich die vier Männchen sich ihr nacheinander, nicht gleichzeitig näherten.
Der Vega Sirgun 2007 jedenfalls ein Griff ins Klo, oder in den Hygienemülleimer, je nachdem. Der Geruch kann bestenfalls mit Thunfisch (aus der Dose) assoziiert werden. Doc L berichtet, es läge etwas Metallisches auf der Zunge. Die Frage nach Konkretisierung wird lyrisch beantwortet. "Wird in Venezuela abgebaut."
Das Etikett dieser italienischen Dreistigkeit preist das Gesöff als geeignet für Braten, Wurst und Wild.
Wir trinken sowas jedenfalls nicht.
Mad type flavor. Ein Primitivo del Salento. In jeder Hinsicht. Das Schäumen beim Einschenken erinnert bereits an Homer Simpsons Lieblingsweingefäß (Waschpulverbecher). Bei SPE jedenfalls jeder Bonus verspielt. Aru kippt das, was nicht mehr über die pelzige Zunge wollte, in Doc L's Spüle. Mögen die Kochtöpfe es mir verzeihen.
